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TOM-TALK #03: ARBEITSSICHERHEIT – KULTURELLE VERÄNDERUNG IM UNTERNEHMEN

Der dritte und letzte ToM-Talk im Jahr 2017 am 20.12. stand unter dem Thema Arbeitssicherheit. Dazu referierte Roberto Monjarás Morán, der aktuell als Berater für Arbeitssicherheit weltweit die Werke des Volkswagen Konzerns betreut. Zuvor war er sechs Jahre im mexikanischen Puebla im Arbeitssicherheitsbereich des dortigen VW-Werks tätig. Da entwickelte er ein Modell zur Verbesserung des Arbeitsschutzes in der Produktion, das er im Rahmen dieses ToM-Talks vorstellte.

Die Folgen von Arbeitsunfällen sind vielschichtig. So kann es nicht nur zu Verletzungen, bleibenden Einschränkungen oder schlimmstenfalls sogar zum Tod des Arbeitnehmers, sondern auch zu nicht direkt ableitbaren Folgen für das Unternehmen kommen (z.B. Produktionsunterbrechungen, Image- und Umweltschäden, Ersatzpersonal). Weniger vielschichtig sind die Ursachen für Arbeitsunfälle. Den größten Einfluss hat das menschliche Verhalten. Um Arbeitsunfälle effektiv vermeiden zu können, ist es deshalb unabdingbar, das Verhalten des Arbeitnehmers zu beeinflussen. Verhaltensänderungen müssen unter dem Motto „Zuckerbrot statt Peitsche“ stehen, wie Herr Monjarás am Beispiel der Einführung der Gurtpflicht erklärte. Dass Autofahrer aus eigener Überzeugung den Gurt während der Fahrt angelegt haben, hat sich erst durchgesetzt, nachdem die Gurtpflicht als solche nicht länger als Strafe angesehen wurde, sondern die positive Absicht dahinter, im Ernstfall Leben zu schützen, massiv umworben wurde.

Bis Herr Monjarás 2001 seine Tätigkeit in Mexiko aufnahm, gab es eine steigende Tendenz bei den Arbeitsunfällen. Seine Aufgabe bestand darin, Maßnahmen zu erarbeiten, um diese Zahl zu reduzieren. Als ersten Schritt weitete er Messungen in Bezug auf die Arbeitssicherheit aus. Der bestehende Unfallindex, der die Arbeitsunfälle pro Arbeitsgruppe und weitergehend pro Team- und pro Abteilungsleiter erfasste, wurde um einen Sicherheitsindex erweitert. Dieser wurde ermittelt, indem bei Sicherheitsaudits gefährliche Situationen und Aktionen aufgelistet und jeweils anhand der Wahrscheinlichkeit des Auftretens und der möglichen Schadensschwere mit einem Risikofaktor bewertet wurden. Anschließend wurden die Risikofaktoren addiert und ins Verhältnis zu der Mitarbeiteranzahl im auditierten Bereich gesetzt. Dieser Sicherheitsindex wurde anschließend, genauso wie der Unfallindex, auf mehreren Ebenen berichtet.

Neben der Einführung des Sicherheitsindex wurden die Ursachen aufgetretener Arbeitsunfälle fortan genauer analysiert und Empfehlungen durch die Arbeitssicherheit notiert. Diese Unfallanalysen wurden in einer Kommunikationskette bis auf Mitarbeiterebene weitergegeben. Als dritte Maßnahme wurden erstmals die Tage ohne Arbeitsunfälle protokolliert. In einer Art Wettbewerb wurden dann einmal pro Jahr die besten Bereiche ausgezeichnet.

Besonders diese Art des Wettbewerbs der Bereiche untereinander ist nach Meinung Herrn Monjarás ein entscheidender Erfolgsfaktor für die deutliche Reduzierung der Arbeitsunfälle in den Folgejahren, getreu dem Motto „Zuckerbrot statt Peitsche“. Nach Einführung der Maßnahmen hat sich die Zahl der jährlichen Arbeitsunfälle in den drei darauf folgenden Jahren jeweils halbiert. Wird bedacht, dass gleichzeitig die Anzahl der Audits pro Bereich reduziert und auch zunehmend nach dem Zufallsprinzip im jeweiligen Bereich durchgeführt wurden, ist schnell ersichtlich, dass die Maßnahmen Erfolg erzielt haben.

Wir danken Herrn Monjarás für die Vorstellung seines Modells zur Verbesserung der Arbeitssicherheit und sind uns sicher, dass ihn die Leidenschaft für das Thema bis an das Ende seines Arbeitslebens begleiten wird. Denn Eines war bereits nach den ersten Worten klar: Für Herrn Monjarás ist Arbeitssicherheit eine Herzensangelegenheit!

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