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ToM-Talk #4: Die Braunschweiger Verkehrs AG

Zu unserem vierten ToM-Talk zum Thema Mobilität haben wir Herrn Brandt von der Braunschweiger Verkehrs AG zu uns eingeladen.
Herr Brandt hat die Projektleitung zum Projekt emil, kurz für „Elektromobilität mittels induktiver Ladung“ inne und hat uns am 17.01.2018 über den Projektverlauf berichtet.

Die Verkehrs-GmbH und ihre Projektpartner, darunter auch die TU Braunschweig, haben im Rahmen ihres Förderprojektes (gefördert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI)) den emil, einen Elektrobus auf Basis eines Solaris-Busses, entwickelt, der per induktiver Schnellladung mit 200 kW innerhalb von 7 Minuten berührungsfrei aufgeladen werden kann.

Die Ladung der E-Busse erfolgt induktiv über Schnellladestationen an ausgewählten Haltestellen und während des Fahrgastwechsels auf dem Linienweg des Ringbusses 419. Vier dieser Busse fahren seit 2015/2016 vollkommen emissionsfrei und so gut wie geräuschlos durch Braunschweig.

Zu der Idee eines induktiv geladenen E-Busses ist es gekommen, weil die herkömmlichen Dieselbusse in den kommenden Jahren ersetzt werden müssen und nach Alternativen gesucht wurde.
Wichtigstes Anforderungskriterium war, dass der Bus nicht über mehrere Stunden pro Nacht geladen werden muss. Da die Busse im Regelfall bis 1 Uhr Nachts fahren und ab ca. 4 Uhr in der Früh wieder im Einsatz sind, wäre ein solches System für den Busbetrieb eher unpraktisch.

Gemeinsam mit dem Institut für Hochspannungstechnik und Elektrische Energieanlagen (elenia) der TU wurden Induktionsplatten entwickelt die am Hauptbahnhof, am Weißen Ross und an der Haltestelle Hamburger Straße in den Asphalt eingelassen wurden. Auf diese Weise kann die Batterie des Busses bedarfsweise beim Stopp an der Haltestelle geladen werden. Der Linienbus kann dadurch theoretisch ununterbrochen in Betrieb bleiben.

Da der Bus vollkommen elektrisch laufen sollte, wurden auch Heizung und Klimaanlage so entwickelt, dass beide emissionsfrei aus dem Stromnetz des Busses betrieben werden, und nicht etwa durch externe Aggregate.

Im Gegensatz zu anderen Diesel- oder E-Bussen musste kein Platz für einen Tank oder Motor im Innenraum eingebüßt werden.

Die Platzersparnis macht sich auch im Innenraum der Busse bemerkbar. Besonders schön ist außerdem, dass das Stadtbild durch die Ladestationen nicht beeinträchtigt wird. Die Ladestationen sind praktisch unsichtbar in die Haltestellen eingefügt worden, was auch die Zulassung durch die Stadt Braunschweig erleichtert hat. Für die besagte Buslinie und die entsprechenden Haltestellen hat man sich entschieden, weil das Projekt für die Gäste der Verkehrs AG sichtbar gemacht werden sollte. Die Linie 419 fährt im 10-Minuten Takt und somit am häufigsten und bedient somit die meisten Passagiere. Die Gäste werden mit Hilfe von pfiffigen Comics im Bus über das Thema Elektrobus und Induktive Ladung aufgeklärt und in das Konzept einbezogen.

Das Projekt emil wird aktuell um das Projekt emilia, Elektromobilität mittels induktiver Ladung im Auto erweitert. Zukünftig soll es möglich sein, das Ladekonzept der E-Busse auch für Taxis zu nutzen. Fahrten, die auf kurzen Strecken in der Innenstadt stattfinden, könnten dann mit Elektroautos gemacht werden.

Wir Danken Herrn Brandt und der Braunschweiger Verkehrs AG vielmals für den Besuch bei uns ToM’lern und für den wirklich interessanten und vielseitigen Vortrag, bei dem auf viele Seiten unseres Studiums eingegangen wurde.

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