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TOM TALK #01: NACHHALTIGKEIT & MOBILITÄT – PASST DAS ÜBERHAUPT ZUSAMMEN?

Am 11. April startete in diesem Sommersemester die Vortragsreihe des ToM Talks, die dieses Mal unter dem Oberthema „Energie – Antrieb der Gesellschaft“ steht.
Den Auftakt machte Herr Prof. Dr. Prätorius, der als Honorarprofessor an der TU Braunschweig im Bereich „Verkehrsökonomie und Verkehrspolitik“ lehrt. Er verantwortet außerdem das Thema Nachhaltigkeit im Volkswagen Konzern. Zuvor war Gerhard Prätorius für Volkswagen als Geschäftsführer regionaler Entwicklungsgesellschaften tätig, deren Schwerpunkte im Bereich der Strukturentwicklung und Beschäftigungssicherung sowie im Technologietransfer lagen. Mit diesem Werdegang konnte Herr Prätorius den Bogen von unserem alten Thema „Mobilität“, hin zum neuen Oberthema „Energie“ spannen und für einen interessanten Einstieg in die kommende ToM Talk-Reihe sorgen.

Eingeleitet wurde der Vortrag, indem Herr Prätorius den Nachhaltigkeitsbegriff als Bestandserhaltung definierte. Die Wurzeln der Nachhaltigkeit reichen weit in die Vergangenheit zurück. Als „Vater“ der Nachhaltigkeit wird oftmals der Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz  (1645–1714) genannt, der den Gedanken der Nachhaltigkeit auf die Waldwirtschaft übertrug. Um nachhaltiges Handeln umzusetzen, sollte nach von Carlowitz  in einem Wald nur so viel abgeholzt werden, wie der Wald auch auf natürliche Weise regenerieren kann. Das Prinzip der Nachhaltigkeit sollte also sicherstellen, dass ein natürliches System erhalten bleibt und gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt werden, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, als die gegenwärtige Generation. Mit diesem Ansatz war der Grundstein des nachhaltigen Denkens und Handelns gelegt.
Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist seit vielen Jahren ein Leitbild für politisches, wirtschaftliches und ökologisches Handeln – so auch das Abkommen der Klimakonferenz aus dem Jahr 2015. Das Abkommen soll dafür sorgen, dass die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit limitiert wird; die Staaten wollen sogar versuchen, die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Aktuelle Prognosen sagen jedoch voraus, dass die Ziele des Abkommens nicht eingehalten werden können. Die PKW-Häufigkeit pro Tausend Einwohner stieg und steigt auch weiterhin exorbitant an. Für das Jahr 2050 wird prognostiziert, dass 2 Milliarden Autos im Umlauf sein werden – das entspricht dreimal so vielen PKW wie heute. Ein Grund hierfür ist die Urbanisierung. Leben heute etwa 50% der Menschen in Städten, werden es in etwa 20 Jahren bereits zwei Drittel aller Menschen sein.

Ein solches Menschenaufkommen setzt neue Herausforderungen an die Verkehrsinfrastruktur und den öffentlichen Nahverkehr. Die Verkehrsmengen müssen bewältigt und der Verkehrsbedarf gedeckt werden. Ein weiterer Faktor ist der „Tripple Bottom Line“ – Ansatz. Die extreme soziale Ungleichheit sollte gelöst werden, da die Ökologie und das Klima den betroffenen Personen nicht so nah ist und auch nur zweitrangige Bedeutung für sie hat.
Die Konsequenzen aus dem enormen Kohlenstoffausstoß der aktuell betrieben wird, sind sowohl der Klimawandel, als auch eine hohe Umweltverschmutzung. Obwohl noch 15.000 Gigatonnen fossiler Energie zur Verfügung stehen, dürften nach dem Pariser Klimaabkommen nur noch etwa 600 bis 800 Gigatonnen verbraucht werden. Auf die Verwendung der restlichen Energie muss verzichtet werden. Das eigentliche Problem sind nach Prof. Dr. Prätorius die Abgase in der Luft und nicht die Ressourcenknappheit, die im Kontext des Klimawandels häufig diskutiert wird.
Trotz des technischen Fortschritts war bisher keine CO2 -Reduktion im Verkehr möglich. Wie können die nachhaltigen Entwicklungsziele also erreicht werden?

Zunächst sei eine massive CO2 -Steuer nötig, um den Verbrauch zu reduzieren. Anschließend ist die Änderung der Lebensstile der Menschen unumgänglich. Nachhaltiges Wachstum ist durch Innovationen zu erreichen. Ein Technologiewechsel kann also politisch erzwungen werden. Die Transformation der Energieversorgung hin zu einem klimafreundlichen, risikoarmen, zuverlässigen und bezahlbaren Energiesystem ist eine notwendige globale Aufgabe. Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Versorgung durchläuft das Energiesystem nach dem „4 Phasen Modell“ der Energiewende technische, ökonomische und gesellschaftliche Herausforderungen. Dieser Veränderungsprozess umfasst den Umbau der Infrastrukturen für Erzeugung, Verteilung, Wandlung, Speicherung von Strom, Wärme und Kraftstoffen, sowie deren effiziente Nutzung. Können diese Phasen umgesetzt werden, sollte die Reduktion aus dem Klimaabkommen noch rechtzeitig erreicht werden können und die Voraussetzung für die Wende wäre gegeben.
Wir wünschen Prof. Dr. Prätorius weiterhin viel Erfolg und danken ihm für den tollen Vortrag.

Euer ToM Talk-Team

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